Referenten 2013

Vorgestellt von Autoren der Süddeutschen Zeitung.

Bei keinem anderen Wirtschaftskongress in Deutschland nehmen derart viele hochkarätige Referenten teil wie beim Führungstreffen Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung. Auf dem Podium diskutieren jedes Jahr 30 bis 40 Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft und Sport. Hier finden Sie alle Referenten, die bereits jetzt für den Kongress 2013 zugesagt haben – und außerdem alle 179 Referenten seit 2007. Autoren aus der Redaktion der Süddeutschen Zeitung stellen sie in kurzen Porträts vor.

 

Jörg Asmussen

Er ist der Außenpolitiker der Europäischen Zentralbank, es gibt keinen wichtigen Euro-Gipfel, bei dem er nicht mit dabei wäre. Geboren 1966 repräsentiert er neben EZB-Chef Mario Draghi die gewachsene Macht der Währungshüter während der Finanzkrise. Obwohl er SPD-Mitglied ist, nahm ihn CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble 2009 als Staatssekretär an Bord. Er hatte zuvor unter drei SPD-Minister gearbeitet. Markus Zydra

Marie Bäumer

Sie kam 1969 als Tochter eines Architekten und einer Psychotherapeutin in Düsseldorf zur Welt, wuchs in Hamburg auf und besuchte dort die Hochschule für Musik und Theater. Der Durchbruch gelang ihr mit der Filmkomödie Männerpension (1995). Für die Rolle der Hotelchefin Hedda Adlon im TV-Dreiteiler über das Berliner Grandhotel Adlon erhielt sie 2013 den „Romy“ als beliebteste Schauspielerin. Michael Kuntz

Roland Berger

Geboren 1937 in Berlin, gehört er zu den bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft. Der Name des begabten Netzwerkers wurde zum Markenzeichen. Als Student gründete er eine Wäscherei in München, in Mailand lernte er das Handwerk der Berater, das ihn zum deutschen Branchenführer machte. Mit seinem eloquenten Auftreten ist er ein beliebter Gast auf Partys wie in TV-Talkshows. Karl-Heinz Büschemann

Nikolaus von Bomhard

Der Mann ist Jurist, und doch ist sein Urteil in der Finanzkrise gesucht wie kaum ein anderes. Regelmäßig sprechen Kanzlerin und Finanzminister mit ihm. Der 56-jährige Chef des weltweit größten Rückversicherers Munich Re arbeitet seit 1985 für das Unternehmen, seit 2004 steht er an der Spitze. Die Finanzkrise hat Munich Re bislang stabil überstanden. Mit seiner Frau, einer Amerikanerin, hat von Bomhard zwei Kinder. Herbert Fromme

Susanna Camusso

Als sie 2010 Vorsitzende der CGIL wurde, war das ein Novum: Eine Frau stand dem mächtigen Dachverband der italienischen Gewerkschaften mit seinen über sechs Millionen Mitgliedern vor – so etwas hatte es noch nie gegeben. Eigentlich hätte das Leben der 1955 geborenen Mailänderin auch anders verlaufen können: Sie studierte Archäologie und Altphilologie. Doch dann entschloss sie sich für die Sozialpolitik. Thomas Fromm

Gerhard Cromme

Er begann seine Karriere 1971 beim französischen Konzern, Saint-Gobain, führte dort zuletzt in leitender Funktion das Deutschland-Geschäft. 1986 wechselte er zu Krupp, fusionierte das Stalunternehmen mit Thyssen - und steuerte es erst als Vorstandschef, später als Aufsichtsratschef. Im März 2013 legte er sein Amt auf Druck von Patriarch Berthold Beitz nieder, ist aber weiterhin Aufsichtsratschef bei Siemens. Ulrich Schäfer

Enrico Cucchiani

Als er München 2011 den Rücken kehrt, sind Chefsessel in den italienischen Großbanken nicht attraktiv. Hinter dem Allianz-Vorstand lag eine 15-jährige Karriere bei der deutschen Versicherung. Der Mailänder übernimmt in seiner Heimatstadt die Führung des Geldinstituts Banca Intesa, Italiens Nummer eins. Nun schlägt er sich mit der italienischen Rezession und Beteiligungen an Alitalia, Telecom Italia und dem Rizzoli Verlag herum. Ulrike Sauer

Verena Delius

Sie lacht gern. Am lautesten über ihre eigenen Witze, wie sie selbst sagt. Aber wenn’s weniger lustig wird, wird sie keinesfalls leise. Zum Beispiel bei der Frage, warum es in Deutschland so wenige Gründer gibt. Sie selbst, einst tätig beim Versicherungskonzern Munich Re, hat mehrere Unternehmen gegründet. Sie ist Geschäftsführerin des Spieleanbieters Goodbeans, der Apps und Onlinespiele speziell für Kinder entwickelt. Varinia Bernau

Jürgen Fitschen

Eigentlich wollte der gebürtige Niedersachse (Jahrgang 1948) seine Karriere bei der Deutschen Bank langsam ausklingen lassen. Doch nun soll er zusammen mit Anshu Jain das Geldhaus führen. Bisher war er für regionales Management und Firmenkunden verantwortlich. Er ist mit deutschen Konzernen bestens vernetzt. An der Spitze soll er ein Gegengewicht zum Investmentbanker Jain bilden. Harald Freiberger

Luca Garavoglia

Er ist Spross einer der verschwiegensten und vermögendsten Familien der italienischen Wirtschaft. Mit 25 wurde er Präsident des Mailänder Spirituosenherstellers Davide Campari. Das war 1994, zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters. Selbst die fulminante Einkaufstour der vergangenen Jahre brachte ihn nicht zum Reden. Rum, Whisky, Wodka, Aperol – Campari gehören nach weltweiten Zukäufen inzwischen 45 Marken. Ulrike Sauer

Ulrich Grillo

Katja Kraus

Nicola Leibinger-Kammüller

Die Karriere war ihr nicht in die Wiege gelegt: Bruder und Ehemann sind Ingenieure, sie selbst Germanistin und Kommunikationswissenschaftlerin. Dennoch übertrug die Familie der Mutter von vier Kindern den Chefposten im Trumpf-Konzern, weil, so Vater Berthold, „die Unternehmensphilosophie und ihre ethischen Grundsätze im Wesentlichen nichttechnischer Natur sind. Bei dieser Frau sind sie besonders gut aufgehoben.“ Marc Beise

Emma Marcegaglia

Die Financial Times zählte die norditalienische Stahlunternehmerin Emma Marcegaglia 2010 in ihrem jährlichen Ranking „Women at the top“ zu einer der 50 einflussreichsten Geschäftsfrauen überhaupt – und das nicht nur, weil sie damals den italienischen Industrieverband Confindustria führte. Marcegaglia nutzt ihre Bekanntheit, tritt häufig im italienischen Fernsehen auf - und mischt sich ein in die italienische Politik. Thomas Fromm

Christophe de Margerie

Er hat seit 2010 die Doppelfunktion des Vorsitzenden des Vorstandes und des Verwaltungsrats beim französischen Ölkonzern Total inne. der Mann mit dem auffälligen Schnurrbart ist mit der Champagner-Dynastie Taitinger verwandt, arbeitet aber seit 1974 für Total. Er gehört zum Kreis von 15 französischen Konzernchefs, die sich Ende 2011 bereit erklärten, höhere Steuern zu zahlen. Michael Kläsgen

Alexander Medwedew

Er hat das Verhältnis zwischen Gazprom und Europa mal als eine Art Ehe beschrieben, in der beide voneinander abhängen. Der Vize-Chef von Gazprom und Generaldirektor von Gazprom Export will den Einfluss des Konzerns im Westen noch vergrößern, so mit der Gaspipeline North Stream un der geplanten South Stream. Das energiehungrige China verliert dabei nicht aus den Augen. Frank Nienhuysen

Mario Moretti Polegato

Eigentlich war die Zukunft des 1952 geborenen Mann aus dem Veneto vorgezeichnet: Seine Familie machte in Wein. Dann, eines Tages, bohrte er bei einem Ausflug in den USA Löcher in seine Schuhe, um sie besser zu durchlüften – die Geox-Idee war geboren. Er versuchte, seine Idee mit der durchlässigen Sohle an andere Hersteller zu verkaufen – vergeblich. 1995 gründete er seine Firma, 2004 brachte er sie an die Börse. Thomas Fromm

Baudouin Prot

Er ist seit Dezember 2011 Vorsitzender des Verwaltungsrats der französischen Großbank BNP Paribas, deren Vorstandvorsitzender er zuvor war. Diskret, analytisch, unauffällig, aber durchsetzungsstark - so gibt sich der vielleicht einflussreichste Bankier Frankreichs in der Öffentlichkeit. Er hat die Expansion seiner Bank in Europa vorangetrieben und möchte sie auch in Deutschland weiter stärken. Michael Kläsgen

Martin H. Richenhagen

Er liebt klare Worte - wenn es sein muss, kritisiert er auch den US-Präsidenten. Barack Obama verstehe "wenig von Wirtschaft", sagt der Chef des amerikanischen Landmaschinenherstellers AGCO, zu dem auch der deutsche Traktorenhersteller Fendt gehört. Der gebürtige Kölner (Jahrgang 1952), der Obama hin und wieder trifft, ist einer der wenigen Deutschen an der Spitze eines US-Konzerns. Silvia Liebrich

Martin Schulz

Der aus Eschweiler stammende Sozialdemokrat (Jahrgang 1955) ist Präsident des EU-Parlaments und einer der mächtigsten Politiker in Europa. Er kann mühelos und fast akzentfrei die Sprache wechseln. Bekannt wurde er durch Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi. Der schlug im Jahr 2003 bei einem Rededuell in Straßburg vor, er solle die Rolle des Kapo in einem italienischen KZ-Film übernehmen. Cerstin Gammelin

René Schuster

Fünf bis sieben Zeitungen liest er täglich. Allerdings nicht auf Papier, sondern auf seinem iPad. Das gehört für ihn zum Job: Der gebürtige New Yorker (Jahrgang 1961) leitet den deutschen Mobilfunkanbieter O2, ein Tochterunternehmen von Telefónica. Er hat Mitte der achtziger Jahre als Ingenieur bei Bosch angefangen, später als Unternehmensberater sowie bei HP und Compaq im Silicon Valley gearbeitet. Varinia Bernau

Hans-Werner Sinn

Er ist Präsident des Ifo-Instituts und einer der wirkmächtigsten deutschen Ökonomen. Die meisten Politiker mögen den Professor aus München nicht, er ist ihnen zu laut, zu kritisch. Das schert ihn nicht, denn bei aller Lebenslust versteht der Westfale (geboren 1948 in Brake) keinen Spaß, wenn er wirtschaftliche Unvernunft wittert. Zum Beispiel bei der Euro-Rettung ("Teuer!") und der Energie-Wende ("Verfehlt!"). Marc Beise

Peter Terium

Seit Mitte 2012 führt der Musikfan Deutschlands zweitgrößten Energiekonzern RWE. Welchen Ton die Energiewende gerade trifft? „Die Debatte erinnert mich sehr an moderne Klänge von Arnold Schönberg“, sagt der gebürtige Niederländer (Jahrgang 1963). Der Komponist habe die Musik neu erfunden – mit einem Konzept neben Dur und Moll. Teriums Fazit: „Eine echte Geduldsprobe“. Markus Balser

Sahra Wagenknecht

Sie galt unter den Linken lange Zeit als besonders radikal, weil sie Sprecherin der kommunistischen Plattform war. Das ist vorbei, seit die Linken-Politikerin, die 1969 in Jena geboren wurde, in ihren Büchern und Aufsätzen nicht mehr nur Karl Marx, sondern auch Alfred Müller-Armack, Ludwig Erhard und andere Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft zitiert. Sie lebt mit ihrem Freund Oskar Lafontaine im Saarland. Guido Bohsem

Jens Weidmann

Der Bundesbankpräsident, geboren 1968 in Solingen, wirkt in der Öffentlichkeit zurückhaltend, in der Sache kann er allerdings knallhart auftreten. Das bekommen seine Kollegen im Rat der Europäischen Zentralbank zu spüren, aber auch die Bundesregierung. Der ehemalige Wirtschaftsberater von Angela Merkel will die Rettungsmaßnahmen der EZB und die staatliche Kreditaufnahme zurückfahren. Markus Zydra

Dieter Zetsche

Als der Daimler-Chef noch Chrysler-Boss war, parodierte er sich in Werbespots selbst. Nannte sich „Dr. Z“, und gab den schrulligen deutschen Ingenieur mit hoher Denkerstirn und preußischem Walrossbart. Die deutsch-amerikanische Ehe ist Geschichte, und der Manager, der in Istanbul geboren wurde, präsentiert wieder Rekordzahlen. „Unser Unternehmen ist auf dem Weg zur Bestform“, sagte er. Thomas Fromm